Der IslamDer Glaube der Muslime28.12.2007 Brigitte Jaeger-Dabek
Der Islam ist in den Schlagzeilen. Doch kaum jemand kennt die Grundlagen der zweitstärksten Religionsgemeinschaft Europas.
Fremde, exotische Welt, über die man so wenig weiß, kaum eine Religion ist uns so fremd wie der Islam. Da sieht man die Bilder der fanatisierten, entfesselten fundamentalistisch ausgerichteten Taliban – Anhänger, bärtig und mit Turbanen, die der westlichen Zivilisation im Namen des Islam den Krieg erklärt haben. Unterscheidet sie etwas von den zurückhaltenden, freundlichen türkischen Nachbarn von gegenüber und von der Masse der auch in unserem Land lebenden Muslimen? Was ist Islam überhaupt? Was bedeutet Islam?Das arabische Wort Islam bedeutet Hingabe, Unterwerfung unter Gott, und zwar eine vollständige, alle Lebensbereiche umfassende Unterordnung unter Gottes Willen, daher kennt der Islam keine Trennung zwischen religiöser und säkularer Welt. Die Gesetzesreligion regelt auch das Alltagsleben der Muslime. Der Islam ist die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen, die sich auf den einen, allmächtigen Gott berufen, die beiden anderen sind Judentum und Christentum. Ungefähr 1,2 Milliarden Muslime, wie sich die Anhänger des Islam bezeichnen, gibt es auf Erden. Zu den über 30 Ländern, die islamisch dominiert werden, gehören die Staaten des Nahen Ostens, die Türkei, der Iran und Afghanistan sowie die benachbarten Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Große Teile des indischen Subkontinents, Teile Chinas, Malaysia, Indonesien und die Philippinen. Auch in Europa ist der Islam die zweitstärkste Religionsgemeinschaft und selbst in Nordamerika leben mehr als drei Millionen Muslime. Religionsstifter MohammedBegründet wurde der Islam im siebten Jahrhundert durch Mohammed, der im Islam als der letzte in einer Kette von Propheten gilt. Er ist das „Siegel der Propheten“, beschließt also ihre Reihe. Alle Propheten, zu denen auch Jesus gehört, sind im Islam Menschen und haben keine göttliche Natur. Das gilt auch für Mohammed. Der Islam sieht sich als Religion des Buches, die Muslime gehören zu den Ahl al Kitab, den Leuten des Buches. Der Koran, die heilige Schrift der Muslime, ist die letzte göttliche Offenbarung und daher sowohl den jüdischen Schriften als auch dem christlichen Evangelium überlegen. Die Sunna, die Traditionen und Überlieferungen aus dem Leben des Propheten, die als Hadithe niedergeschrieben sind, gelten neben dem Koran als zweite große Schriftquelle des Islam. Wer ist Muslim?Um Muslim zu werden, genügt es, die Schahada, das Glaubensbekenntnis des Islam vor zwei Zeugen zweimal auszusprechen: Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott und Mohammed sein Prophet ist. Wer in eine muslimische Familie hineingeboren wird, gilt automatisch als Muslim, denn der Islam betrachtet sich als die natürliche Religion des Menschen, er kennt keine Sakramente wie die Taufe. Der Islam ist eine Gesetzesreligion, dessen Gesetze nicht nur auf das Paradies ausgerichtet sind, obwohl es genau wie im Christentum Himmel und Hölle gibt. Seine Gesetze regeln auch das irdische Dasein der Muslime recht genau, denn Gott gilt als Herrscher über alles. So kennt der Islam keine Trennung zwischen religiöser und sakraler Welt und trennt daher auch nicht Religion und Staat. Ein Muslim ist immer zuerst ein Muslim. Er hat den Vorschriften seiner Religion zu folgen, auch wenn sie im Gegensatz zu denen seines Staates stehen.
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